
(von links): Emil Stövesand (Schüler des Leopoldinum), Bürgermeister Rainer Heller, Lutz Kunz (Bezirksregierung), Irma Freitag (Schülerin des Leopoldinum), Andreas Hoffmann (Stadt Detmold), Alexandra Wiemann, Stefan Mühlenberend (Schulleiter Realschule I), Milana Franz (Schüler Realschule I), Leon Podkowa (Schüler Realschule)
Die Stadt Detmold hat für das Vorhaben eine Zusage von Fördermitteln erhalten
Detmold. Schülerinnen und Schüler der Realschule I und des Gymnasium Leopoldinum haben mitentschieden, wie es am Rande ihrer Schulhöfe künftig aussehen soll. An beiden Schulen gab es über anderthalb Jahre hinweg Projekte in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 in denen Ideen für das rund 600 Meter lange Werre-Teilstück nahe der beiden Schulen entwickelt wurden. Unter der Anleitung von Lehrkräften, externen Fachleiten, zwei Studenten der TH OWL und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt Detmold ist eine Vorplanung durch Schülerinnen und Schüler entwickelt worden. Die Arbeit der Schülerinnen und Schüler ist schließlich von einem Ingenieurbüro zu einer Entwurfsplanung weiterentwickelt worden, die schließlich durch die Untere Wasserbehörde des Kreises Lippe genehmigt wurde. Zur Übergabe des Förderbescheids waren Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Bürgermeister Rainer Heller und Vertretern der Bezirksregierung vor Ort.
Wichtige Bausteine des Projekts sind etwa: das Anlegen einer Sekundäraue mit einer Breite von bis zu 50 m und Schaffung von etwa 20.000 m³ Retentionsraum unmittelbar vor der historischen Kernstadt von Detmold; die Förderung und das Zulassen der eigendynamischen Entwicklung (Anlegen von Kiesdepots, Einbau von Totholz etc.); der Bau eines Regenrückhaltebeckens für Niederschlagswasser vor Einleitung in die Werre; der Bau von zwei Regenwasservorbehandlungsanlagen; das Anlegen eines „Gewässer erleben – Bereiches“ zur gezielten Heranführung an die Werre mit entsprechenden Umweltinformationen; die Nachhaltige Förderung der Umweltbildung durch Errichtung eines „Grünen Klassenzimmers“ mit Zugang zum Wasser und Anlegen eines Schulgartens. Einbindung der Schüler beim Bau der Anlagen; der Erhalt und Entwicklung artenreicher Wiesenflächen; das Anlegen eines Notwasserweges vor Eintritt in die historische Altstadt und die Zusammenfassung der z.Z. vorhandenen wilden Trampelpfade und Wirtschaftswege zu einer attraktiven Geh- / Radwegroute zur Innenstadt, Förderung der Nahmobilität in die Innenstadt Detmolds
Die Gesamtkosten für das Projekt werden etwa 2,5 Millionen Euro betragen. Davon werden 2 Millionen im ersten Bauabschnitt fällig, in dem unter anderem das Rückhaltebecken entstehen wird und in dem der Bau der Rad- und Gehwege geschehen wird sowie die eigentliche Renaturierung der Werre. Diese wird 532.000 Euro kosten.
Die Umgestaltung der Werre ist ein Projekt der REGIONALE 2022. Es ist als ein Baustein der gesamträumlichen Betrachtung des Gewässers und als Beitrag zum übergreifenden Hochwasserschutz zu verstehen. Ferner ist das Projekt Tritttstein Kuhkamp „ein Beispiel für hervorragende Zusammenarbeit von Stadt und Schulen vor Ort. Hier können die Schülerinnen und Schüler von der Idee bis zur Umsetzung mitwirken; das ist einzigartig und modellhaft. Gleichzeitig wird die Werre in den Themen Hochwasserschutz und ökologische Entwicklung fit gemacht. Ich freue mich, dass damit ein wichtiger Baustein für die Werreentwicklung insgesamt jetzt umgesetzt werden kann“, lobt Annette Nothnagel, Leiterin der REGIONALE 2022 bei der OWL GmbH.
Auch Lutz Kunz, Abteilungsdirektor der Bezirksregierung Detmold, dankte der Stadt Detmold für ihr großes Engagement zur naturnahen Gewässerentwicklung: „Die Renaturierung der Fließgewässer ist ein wichtiges Zukunftsthema. Lebendige Gewässer tragen zur Vernetzung von Lebensräumen und damit zum Erhalt der Biodiversität bei.“ Die Maßnahme verbessere außerdem die Anpassungsfähigkeit an die Folgen des Klimawandels, beispielsweise durch die höhere Rückhaltewirkung der umgestalteten Flächen bei Starkregenereignissen, sagte Kunz. Mehr noch: Die bauliche Umsetzung der Renaturierung leiste einen Beitrag zu Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region. „Besonders freut mich, dass die Stadt mit der Realschule I und dem Gymnasium Leopoldinum zusammenarbeitet und Schülerinnen und Schüler etwas über ihre Umwelt lernen“, sagte Kunz.
Das Land Nordrhein-Westfalen hat in den vergangen zehn Jahren in Ostwestfalen-Lippe durchschnittlich 13 Millionen Euro Fördermittel im Jahr in entsprechende Projekte investiert. Die Renaturierung der Werre im Bereich „Kuhkamp“ bekommt über die „Regionale 2022“ einen Landeszuschuss von 426.000 Euro. „Das ist sehr gut angelegtes Geld“, sagt Lutz Kunz.
Bild- und Textquelle: Stadt Detmold